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OER

OER als Kollektivgutproblem

misc-mental-theory-800pxSpieltheoretisch betrachtet lässt sich die schleppende Entwicklung der Bereitstellung von Open Educational Resources als sogenanntes Kollektivgutproblem beschreiben (weitere Beispiele aus dem Alltagsleben):

„Man sieht das Gute, das Kollektivgut, das erreicht wird, wenn alle kooperativ sind, beschließt aber für sich selbst, doch lieber nichts zum Kollektivgut beizutragen.“ (Diekmann, Spieltheorie, 2010, S. 116)

Genau so sieht es bei der Erstellung von Open Educational Resources aus: Irgendwie finden alle das gut (von Einzelstimmen abgesehen, die eine Unterwanderung durch Lobbyisten fürchten, die den Markt mit kostenlosen Materialien fluten würden, als ob sie das nicht schon – unabhängig von OER – bereits täten), aber nur sehr wenige Lehrerinnen und Lehrer teilen tatsächlich ihre Materialien. Dafür sind schon zahlreiche Gründe benannt: fehlende Sharingkultur aka Einzelkämpfertum, rechtliche Unsicherheiten usw.

Das Problem ist in Lehrerkollegien bekanntlich auch älter als die Diskussion um OER: Man begebe sich einfach mal in einem Lehrerzimmer auf die Suche nach einem fast leeren, verwaisten und verstaubten Aktenordner, den eine Fachschaft mal angelegt hatte zum Austausch von Unterrichtsmaterialien… man wird vermutlich in den meisten Lehrerzimmer fündig.

Folgt man dem spieltheoretischen Ansatz, ist der entscheidende Punkt der Anreiz: Trägt man selbst nicht bei, aber alle anderen, profitiert man am meisten. Der Anreiz ist also höher, nichts zu tun, als selbst beizutragen. Um die Kooperation zu fördern, müssten also höhere Anreize gesetzt werden, um einen aktiven Beitrag der Teilnehmenden zu erreichen.

Die zentrale Frage ist also: Wie kann in Schulen und Hochschulen so ein „höherer“ Anreiz aussehen, der zum aktiven Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien führt? Solche „Anreizsysteme“ sind in den letzten Jahren bereits oft (siehe z.B. bei e-Teaching.org oder in der Masterarbeit: „Was macht OER-Projekt erfolgreich?“), aber noch nicht abschließend diskutiert worden: Ist es Geld? Zeit? Anerkennung? Oder doch noch etwas anderes? Der Ansatz der Spieltheorie bietet keine direkte Lösung, hilft aber dabei, das Kernproblem noch einmal zu fokussieren.

 

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