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Eine Matrix zur Bewertung von OER aus Sicht der Lernenden?

OER bieten die Chance, dass nicht nur Lehrende, sondern auch Lernende direkt auf Materialien zugreifen und diese auswählen, weiterverwenden, Quality-Checklist-800pxverändern und wieder publizieren können. Damit können OER zum Katalysator für ein neues Lernen mit Medien in der Schule werden. Ein Problem ist allerdings: Wie können Lernende erkennen, ob die Resourcen inhaltlich korrekt und methodisch hilfreich aufbereitet sind? Traditionell übernehmen diese Aufgabe und die Auswahl – oft zudem noch gefiltert durch die Angebote der Schulbuchverlage –  die Lehrenden für die Lernenden.

Mehr oder weniger zufällig habe ich letzte Woche dazu einen Beitrag auf OpenEducationEuropa endeckt: Dort findet sich der Hinweis auf eine mehrfach weiterentwickelte Bewertungsmatrix für OER aus Sicht von Lernenden. Spannend, dachte ich, also habe ich mir die Vorlage mal näher angesehen, ob sie was taugt.

Zunächst einmal gefallen mir Aufbau und Idee: Klar strukturiertes Schema mit nur vier Bereichen, einfachen Aussagen und schnell erkennbare Bewertungsanordnung:

OEREM

Allerdings: Schaut man sich die vier Fragen an, so ist schnell erkannt, dass dies die üblichen Fragen zur Einschätzung der Seriösität von Internetseiten sind, wie wir sie in diesem Zusammenhang bereits seit zehn, wenn nicht zwanzig Jahren kennen.

Sie liefern sicherlich einerseits eine brauchbare erste Einschätzung, andererseits scheint mir fraglich, ob sie in Zeiten von Social Media und OER noch taugen. Wenn wir davon ausgehen, dass OER tatsächlich neues Lernen mit Medien fördern, dann werden zunehmend auch Lernende selbst Materialien erstellen und teilen, also online zur Verfügung stellen.

Solche von Lernenden erstellten Materialien können für andere Lernzusammenhänge hochgradig relevant und gut geeignet sein – weil „peers“ Hintergründe und Zusammenhänge vielleicht adressatengerechter erklären können als andere. Folgt man dem Bewertungsrasters des Schema schneiden diese allerdings schlecht ab:

  • nicht selten sind sie anonym oder bleiben Einzelveröffentlichungen einer Person oder Gruppe;
  • um die Relevanz für das eigene Thema/die Fragestellung festzustellen ist bereits ein guter Überblick notwendig, erst über vorhandenes Kontextwissen lässt sich beurteilen, ob das Material (wahrscheinlich) inhaltlich korrekt und zur Suche passend ist;
  • sie sind oft älter, was für einige Bereiche wie tagespolitische Themen hoch relevant sein kann, muss für andere Bereiche wie z.B. Geschichte nicht unbedingt eine Rolle spielen;
  • das Warum der Veröffentlichung ist nicht immer klar, gerade Veröffentlichungen von durch Schülerinnen und Schüler erstellte Ressourcen passen gar nicht so recht in das Schema. Auch Publikationen für eine breite Öffentlichkeit können leichter verständlich sein und zunächst auch einen Überblick über das Thema bietet als spezialisierte Fachveröffentlichungen zu ggf. Teilthemen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das vorliegende Schema – zumindest für Schülerinnen und Schüler – wenig geeignet ist, um damit OER zu beurteilen, vor allem dann wenn sie sich am Beginn eines Lernprozesses befinden.

Mein Eindruck ist, dass die Fragestellung nach der (schnellen) Qualitätsprüfung von OER ähnlich der Diskussion über die Bewertung von Wikipedia-Beiträgen ist. Vergleicht man die Wikipedia-Artikel von vor zehn Jahren mit heute, dann lässt sich quantitativ wie qualitativ eine enorme Entwicklung feststellen. Das könnte bei OER ähnlich sein: Qualitätsentwicklung durch Ergänzen, Korrigieren und neu Veröffentlichen (Credit: die Idee habe ich von Jöran) – allerdings sind OER anders als die Wikipedia dezentral an unterschiedlichsten Stellen und in unterschiedlichsten Formaten im Netz.

Denkt man ausgehend von diesen Überlegungen weiter, dann könnte für Schülerinnen und Schüler ein Werkzeug, wie es Wikibu für die Wikipedia darstellt, eine wichtige Hilfe für eine erste Einschätzung von OER sein: die Abfrage und Darstellung quantitativer Kriterien wie u.a. Zugriffs- oder Downloadzahlen, Bewertung durch die Nutzerinnen und Nutzer, Verlinkung von anderen Webseiten, vorhandene Quellennachweise oder Verlinkungen.

Diese Form der Einschätzung geht davon aus, dass je mehr das Material nutzen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es gut und brauchbar ist, mögliche Fehler bereits korrigiert wurden usw. Ergänzt werden können diese Kriterien mit einem schnellen Blick über äußere Merkmale qualitativer Art, wie z.B.: Welche Webseiten verlinken auf die Seite (z.B. Schul- oder Universitätseiten)? Gibt es Kommentare auf der Seite selbst oder im Rahmen eines Wikis auf der Diskussionsseite mit Hinweisen zum Material?

 

 

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Eine Matrix zur Bewertung von OER aus Sicht der Lernenden?

  1. Danke für diesen Beitrag! Hat mir viele Denkanstöße zum praktischen Konzipieren geliefert. Mein vorläufiges Ergebnis zur Bewertungsmatrix-Frage bei OER: http://ebildungsprojekt.de/blogpost/bewertung-von-freien-bildungsmaterialien-auf-einer-community-plattform

    Gefällt 1 Person

    Verfasst von Nele Hirsch | 8. Dezember 2015, 15:08

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