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Schule

5 Profi-Tipps, um Wlan an Schulen zu verhindern

Irgendjemand in Ihrer Schule kommt 08-August-The-big-jumpauf die Idee ein Wlan einrichten zu wollen. Sie gehören zu einer der Gruppen von Entscheidungsträgern (Schulleitung, Personalrat, Systemadministrator, Schulelternbeirat, Schülermitverwaltung o.ä.) an der Schule und Sie wollen das nicht. Hier ein paar Tipps, wie Sie so ein Vorhaben effektiv verhindern können:

1) Sagen Sie zunächst nur Positives, wie gut und spannend Sie die Idee finden und dass man sich dafür mal zusammensetzen müsse. Nur leider haben Sie nie Zeit. Die Terminfindung für ein erstes Treffen zieht sich in die Länge. Vertrauen Sie darauf, dass der anfängliche Elan im stressigen Schulalltag versandet und die Idee dann in Vergessenheit gerät.

2) Sollte sich die Idee wider Erwarten halten, ist irgendwann ein Termin unausweichlich. Behalten Sie Ihre positive Einstellung. Stellen Sie heraus, dass Ihr Anliegen besonders die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler ist. Man wisse ja, dass es immer wieder zu Fällen von Cybermobbing komme. Betonen Sie bei aller Begeisterung für das Projekt die Gefahren der Internetnutzung, vor allem natürlich für Kinder und Jugendliche. Verweisen Sie auf Erlebnisse in Ihrem Familien- und Bekanntenkreis.

3) Reicht das noch nicht und schreitet das Projekt in Ihrer Schule dennoch voran, wird es Zeit für Sie energischer einzuschreiten. Weisen Sie schon einmal vorsichtig daraufhin, dass die Umsetzung technisch schwierig und teuer sein könnte. Fragen Sie nach, ob es überhaupt Schulen in der Umgebung gibt, die Wlan anbieten. Schlagen Sie die Besichtigung einer der Schulen vor, um sich vor Ort zu erkundigen, das Rad müsse man ja nicht neu erfinden, wählen dann aber die Schule mit der teuersten Ausstattung. Verallgemeinern Sie ausgehend von diesem einen Beispiel einer durch ein Wirtschaftsunternehmen geförderten Modellprojektschule, um nachzuweisen, dass die Einrichtung für eine normale Schule nicht bezahlbar ist.

4) Kommen die Initiatoren nun mit alternativen Finanzierungsmodellen oder dem Vorschlag einer Teilabdeckung zunächst nur einiger weniger Räume wird es langsam eng für Sie. Sie müssen deutlicher werden. Werfen Sie den Initiatoren fachliche Inkompetenz vor. Diese können zwar alles belegen, aber Sie haben mit Experten gesprochen, die Ihnen bestätigt haben, dass das an Ihrer Schule nicht umsetzbar ist. Das kann niemand überprüfen, ist aber ein starker Punkt für Sie. Experten sind immer gut. Machen Sie deutlich, dass die Initiatoren wahlweise die technischen Notwendigkeiten oder pädagogischen Konsequenzen weder richtig verstehen noch überblicken. Den wiederholt vorgetragenen Verweis auf das Funktionieren in anderen Schulen bügeln Sie ab: Die Konzepte seien nicht übertragbar, weil ganz andere bauliche Voraussetzungen vorlägen und die anderen Schulen auch nicht so viel Wert auf Sicherheit legten.

5) Hilft auch dieser Schritt nicht, weil die Initiatoren gut vorbereitet und sachlich überzeugend Ihre Konzepte darlegen, bleibt Ihnen nur ein letztes Mittel. Es gilt nun ultimativ die anderen Entscheidungsträger auf Ihre Seite zu ziehen. Ob Sie daran glauben oder nicht, spielt keine Rolle, taktisch ist es geschickt: Sie spielen die letzte Karte und verweisen auf die Gesundheitsgefährdung durch Strahlung. Das funktioniert ähnlich gut wie der Hexenvorwurf in derVormoderne. Er lässt sich weder belegen noch widerlegen. Ein Totschlagargument für jede weitere Diskussion. Mit dem Verweis auf eine potentielle Gefährdung haben Sie auf jeden Fall mehrere schulische Entscheidungsträger auf Ihrer Seite und sich damit die Mehrheit gesichert.

Das Projekt wird beendet. Sie haben gewonnen.

Inspiriert ist der Beitrag durch Gespräche vor, während und nach der Tagung „Bildung in einer digitalisierten Welt“.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und tatsächlichen Ereignissen sind rein zufällig.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “5 Profi-Tipps, um Wlan an Schulen zu verhindern

  1. Den allerwichtigsten Punkt hast du vergessen: „Versuche, das WLAN aus dem System heraus, als Beteiligter mit einigen wenigen Mitstreitern zu implementieren. Hole dir auf gar keinen Fall externe Unterstützung. Fühle nicht in den potentiell unaufschlossenen Gremien vor.“

    Das Strahlenschutzargument höre ich auch noch hin und wieder – aber immer seltener. Konsequenterweise muss man dann auf jeden Fall auch schnurlose Telefon nach dem DECT-Standard vehement ablehnen – Handys sowieso, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/WLAN-Telefon#Funkstrahlung_und_Gesundheit – einfach per Protokoll festhalten und Leute darauf festnageln.

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    Verfasst von mccab99 | 22. Juni 2015, 10:36

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