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Bildung, Bildungspolitik, Diskussion, Schule

Warum wir mehr über Bildung und weniger über Tools & Technik reden sollten

Puentedura hat ein vierstufiges vierstufiges Modell vorgelegt, dass die Entwicklung der Anwendung neuer Technologien im Bildungsbereich darstellen soll. Die beiden ersten Stufen werden dabei zu einem meyer-lok-brc3bccke-montEntwicklungsschritt „Enhancement“ (Verbesserung) zusammengefasst, die dritte und vierte Stufe sind dann Teil des zweiten Entwicklungsschritt, der eine Transformation des bisher Bestehenden durch die Technikanwendungen mit sich bringt.

Um zu veranschaulichen, dass Technologien nicht nur Mittel sind, sondern ein eigenes, ihnen innewohnendes Veränderungspotential besitzen, nutzt Axel Krommer in seinem Beitrag zur Blogparade mit der Fragestellung „Mit digitalen Medien besser lernen?“ die Analogie verschiedener Transportmittel, die zwar alle dem Zweck dienen, eine Person von A nach B zu befördern, zugleich aber durch ihre Reichweite und Schnelligkeit unterschiedliche Erfahrungsräume und Möglichkeiten eröffnen.

Die Frage nach einem „besseren Lernen“ mit „neuen Medien“ bewegt sich auf den beiden unteren Stufen des Modells. Das Alte soll mit dem Neuen mindestens genauso gut, aber zur Begründung der notwendigen Investitionskosten und Innovationsmühen doch lieber irgendwie effektiver oder besser erreicht werden. Das ist die Stufe, in der sich schulische Bildung im digitalen Wandel gegenwärtig befindet. Ich habe versucht, das in Form einer einfachen Tabelle darzustellen, dabei die Ebenen von Unterricht, Schule und Bildung zu trennen und den aktuellen Entwicklungsstand durch die in unterschiedlichen Grautönen unterlegte Feldern zu kennzeichnen:

SAMR Modell SchuleEs gibt mittlerweile ohne Ende gute Beispiele aus der Unterrichtspraxis von Lehrkräften. Über die Ebene des Unterrichts wird viel geredet. In diesem Bereich gibt es zahlreiche Publikationen, Angebote, Wettbewerbe, Initiativen. Trotzdem kommt der digitale Wandel nicht in der Breite an. Und das ist die große Herausforderung. Best-Practice-Beispiele, Fortbildungen, Ausstattungsinitiativen, Co-Teaching-Projekte & Medienkonzepte allein reichen für den Wandel offensichtlich nicht aus.

Warum? Sie bleiben auf den ersten beiden Stufen des Entwicklungsmodells stehen und fokussieren nur den Unterricht, berühren aber darüber hinaus weder die Institution noch das System. Sicher spielen auch mangelnde Ausstattung und fehlende Zeitressourcen für Innovationen eine Rolle. Wer aber Unterricht in der Fläche verändern möchte, muss ran Lehrpläne, Prüfungsvorgaben & Abschlüsse. Schulisches Lernen und Unterricht ändern sich mit Prüfungen (de facto immer ein learning & teaching to the test – wie Martin Lindner das in einem sehr lesenswerten Beitrag nebenbei auch sehr plastisch von seiner Tochter berichtet). Allerdings sind diese Zielvorgaben keineswegs einfach zu bestimmen.

AJ-Books-2Die wiederkehrendenen Diskussion mit Vorschlägen einzelner neuer Schulfächer sind oft reiner Lobbyismus oder auch schlicht lächerlich. Sie machen aber ebenso wie die vielen neuen Reforminitiativen deutlich, dass Schule, so wie sie aktuell funktioniert, zunehmend in Frage gestellt wird. Die Einführung eines neuen Fachs ändert an dem offenkundig verbreiteten Unbehagen, dass hier etwas nicht mehr zusammenpasst, ebenso wenig wie die Anschaffung von Interaktiven Whiteboards oder die Einrichtung von Tablet-Klassen.

Keine Frage: Methoden, Tools und Technik sind wichtig. Das Ausprobieren und Experimentieren, das Sammeln von Erfahrungen und deren kritische empirische Prüfung in der Praxis sind notwendige Grundlage für alles weitere. Zugleich verharrt diese Diskussion bei der Frage nach einem „Mehrwert“ der digitalen Medien und damit auf den beiden unteren Stufen des oben skizzzierten Modells.

Auch wenn es mühsam und schwierig ist, brauchen wir eine politische und gesellschaftliche Debatte, die über die mögliche Einführung einzelner Fächer oder die Frage der technischen Ausstattung hinausgeht und die Ziele schulischer Bildung in den Blick nimmt: Was meint Bildung in einer digitalisierten Welt? Und was soll Schule hierfür leisten? Alles andere (Fächer, Inhalte, notwendige technische Infrastruktur usw.) ist dem untergeordnet und leitet sich sinnvollerweise nur aus den Antworten auf diese Fragen ab.

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  1. Pingback: Blogparade „Mit digitalen Medien besser lernen?“ Ja, aber… - 29. Juni 2015

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